Alleine Wandern – warum eigentlich nicht?

Endlich: Die Kontaktbeschränkungen sind weitgehend aufgehoben. Warum alleine wandern trotzdem eine Bereicherung für Körper und Geist sein kann und was du dabei beachten solltest:

Dieser Beitrag ist in freundlicher Zusammenarbeit mit Sabrina entstanden.

„Wenn ich doch bloß jemanden hätte der mit mir wandern geht…“ Ja, eine Begleitung für seine Wanderungen zu finden, kann sich als recht schwierig herausstellen. Wer hat schon wochentags Zeit, mit mir in die Berge zu gehen? Aber selbst wenn man jemanden finden würde der Zeit hätte, wie wahrscheinlich ist es, dass diese Person auch die Leidenschaft für die Berge teilt? Natürlich ist es mir ein Rätsel wie man nicht gerne in den Bergen ist, aber es soll solche Menschen durchaus geben ;)

Vom Hügel zum Berg

Zwar ging ich meine erste Solo-Wanderung nicht deshalb alleine, weil ich niemanden gefunden hätte der mit mir gehen würde. Ich ging sie eher zufällig alleine. Gut, ganz alleine war ich nicht – ich hatte meinen Hund Roxy dabei. Vielleicht war meine vierbeinige Begleitung auch der Grund, weshalb ich gar nicht wirklich darüber nachgedacht habe jemanden zu fragen.

Für mich fühlte es sich an wie ein ganz normaler Spaziergang mit meinem Hund – nur eben nicht über Felder und Wiesen, sondern diesmal in den Bergen. Natürlich bin ich nicht zu Beginn gleich auf einen 2.000er im Alleingang marschiert. Als ich vor 10 Jahren mit dem Wandern begann, habe ich mich mit den Hügeln in meiner Umgebung zufrieden gegeben und bin lange Zeit einfach nur durch unsere Wälder gestreift. Der Wunsch nach richtigen Bergen kam in Wahrheit erst viel später.

Mittlerweile besteige ich aber auch richtige Berge alleine, ganz alleine – auch ohne Hund. Wobei ich gestehen muss, dass mir diese Wanderungen zu Beginn auch nicht ganz geheuer waren. An dieser Stelle möchte ich gleich anmerken, dass ich trotzdem nicht jede Tour alleine gehe. Manchmal ist es wirklich unvernünftig oder gar zu gefährlich, alleine zu gehen. Wir sprechen hier aber von schweren Wanderungen, Klettersteigen oder hochalpinem Gelände. Um diese Art von Wanderungen soll es in diesem Beitrag aber nicht gehen.

Wenn niemand mitkommt, geh ich eben alleine

So einfach ist es und doch irgendwie schwer umzusetzen. Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Auch bei mir war es ein Prozess, aber mit jedem Schritt gewinnt man an Selbstvertrauen und Sicherheit. Deshalb möchte ich hier ein paar Tipps teilen, die euch vielleicht helfen können den ersten Schritt alleine zu machen.

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Wenn niemand mitgeht, gehe ich alleine | Photo by Sabrina von BeRosa GoGreen

1. Langsam herantasten

Wie bereits erwähnt, habe auch ich langsam begonnen mich zu steigern. Wenn man überhaupt erst mit dem Wandern beginnt, empfiehlt es sich wirklich einfache und eher flache Wanderungen zu gehen und sich langsam zu steigern. Wege, die keine Trittsicherheit verlangen und keine nennenswerte Steigung haben, geben einem von Beginn an ein gutes und sicheres Gefühl.

Tipps für Sicherheit am Berg findest du hier.

2. Gut markierte oder bekannte Wege

Gut markierte Wege zu wählen ist nie ein Fehler. Eine Recherche vor der geplante Wanderung in Bezug auf Dauer, Schwierigkeitsgrad und Beschaffenheit, schützt vor ungewollten Überraschungen. Ebenso habe ich bemerkt, dass es wirklich hilfreich sein kann, bekannte Wanderungen erneut zu gehen. Wenn man eine Tour bereits in Begleitung gegangen ist, bietet es sich an, diese Wanderung alleine nochmal zu gehen.

3. Beliebte Wanderwege wählen

Selbst wenn man alleine losgeht, muss man ja nicht alleine am Berg sein. Es gibt Wanderwege, die sich größerer Beliebtheit erfreuen als andere. Beliebte Wanderwege eignen sich gut, um das alleine Wandern ein wenig zu testen. Man hat eben nicht sofort das Gefühl „verloren“ zu sein. Es stärkt das Selbstvertrauen, wenn man sieht, dass auch andere Menschen alleine am Berg unterwegs sind.

4. Optimales Wetter

Man sollte es selbstverständlich immer vermeiden, bei unbeständigem Wetter loszugehen. Wenn man jedoch alleine unterwegs ist, finde ich optimale Bedingungen noch wichtiger. Gerade bei wenig Bergerfahrung oder wenn man erst begonnen hat, alleine wandern zu gehen, ist das Risiko nervös zu werden, sobald das Wetter umschwenkt, natürlich viel höher.

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Auf dem Gipfel angekommen - auch alleine ein gutes Gefühl | Photo by Sabrina von BeRosa GoGreen

5. Sicherheit schaffen

Ohne Handy verlässt heutzutage ja eh keiner mehr das Haus – natürlich sollte auch bei einer Solo-Wanderung das Handy niemals fehlen. Es gibt Wanderapps, die beim Navigieren helfen – für mich so unverzichtbar wie die richtige Ausrüstung, um mir zusätzliche Sicherheit am Berg zu schaffen. Wasser und Proviant einpacken. Eventuell Stöcke mitnehmen. Mittlerweile habe ich mich an meine Wanderstöcke schon so gewöhnt, dass ich mich tatsächlich unwohl fühle, wenn ich sie mal nicht mitnehme. Gerade beim Abstieg schaffen sie zusätzliche Sicherheit.

6. Jeder Schritt zählt

Es kam schon einige Male vor, dass mich plötzlich ein seltsames Gefühl überkommt wenn ich alleine unterwegs bin. Ich habe dann das Gefühl „falsch“ zu sein, so ganz mutterseelenallein am Berg. Meistens passiert mir das auf eher unbekannten Touren. Mir hilft es, in diesen Situationen wirklich Schritt für Schritt zu gehen. Jeden Schritt bewusst zu setzen und mir klar zu machen, dass ich jederzeit umkehren kann. Meistens beruhige ich mich nach ein paar Minuten und genieße das Alleinsein wieder.

Ich denke diese kurzen Phasen sind ein Teil der Selbstfindung. Wenn man so ganz alleine mit der Natur ist, wird einem erst bewusst, wie reizüberflutend der Alltag doch ist. Wenn diese Reizüberflutung verschwindet, fühlt man sich plötzlich leer. Ich denke das ist der Grund für dieses kurzweilige Unwohlsein. Vielleicht empfinde nur ich das so, aber das Zitat „And into the mountains I go to lose my mind and find my soul“ trifft es ganz gut.

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7. Einfach losgehen

Alleine Wandern ist nicht jedermanns/jederfraus Sache. Manche mögen einfach die Gesellschaft anderer Menschen am Berg. Aber wer es nie probiert hat, wird es auch nie wissen. Für mich persönlich sind Solo-Wanderungen unverzichtbar geworden.

Langsam habe ich das Gefühl, dass dieses „alleine am Berg sein“ für mich die einzige Möglichkeit ist, richtig abschalten zu können. Nach so einer Wanderung fühle ich mich immer energiegeladen und ausgeglichen – als wenn jemand den Resetknopf gedrückt hätte.

Vielleicht hat das alleine Wandern ja auch so einen Effekt bei euch… Alles was es dazu braucht ist ein bisschen Mut und der erste Schritt.

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Alleine Wandern braucht etwas Mut und gute Vorbereitung | Photo by Sabrina von BeRosa GoGreen
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