Leise köchelt die Pasta

Nach exakt 300 Tagen auf den Rädern gibt es ein Update aus Neuseeland von Julian und Nico aka die Pasta Gorillas. Es läuft gut, das Coronavirus macht den Jungs allerdings Sorgen – klappt der Plan, bis zu den Olympischen Spielen Tokio zu erreichen?
Pasta Gorillas in Neuseeland
Update aus Neuseeland

Was bisher geschah? Hier findest du alle Beiträge der Pasta Gorillas.

Mangawhai / Neuseeland. Exakt 300 Tage, 18 Länder und 15.751 Kilometer haben wir inzwischen auf unseren Rädern zurückgelegt, immer ein Ziel vor Augen - die Olympischen Spielen von Tokyo 2020. Nach unserem letzten Update Ende November 2019, welches wir auf der thailändischen Insel Koh Phangan verfassten, durchquerten wir den Süden Thailands und Malaysia mit dem Ziel Singapur. Thailand machte uns das Radeln noch einfach: Relativ breite Straßen, viele kleine Garküchen entlang der Straße und viele inspirierende Menschen zäunten unseren Weg durch das Land in Südostasien. Auch im benachbarten Malaysia wurden wir herzlich und liebevoll willkommen geheißen. Wir entschieden uns für die Westküste des multikulturellen Landes und wurden nicht enttäuscht. Auf Langkawi Island lebten wir an einsamen Stränden und fühlten uns beim Lagerfeuer unterm Sternenhimmel und am einsamen Traumstand, wie Robinson Crusoe und Freitag. Wir, unser Zelt, die Hängematten und abends eine ordentliche Portion Pasta - was will man(n) eigentlich mehr?

Regenzeit und Weihnachten in Südostasien

Die Natur zeigte uns aber recht schnell, wer der eigentliche Herr im Ring ist. Die Regenzeit machte uns schwer zu schaffen und nagte nicht nur am Equipment, sondern auch am Nervensystem. Aber auch hier konnten wir uns auf unsere Mitmenschen und deren grandiose Hilfsbereitschaft verlassen. Wir klopften bei den Damen und Herren der Berufsfeuerwehr oder der örtlichen Polizei an und bekamen stets ein Dach über dem Kopf angeboten. So kämpften wir tagsüber mit den Wassermassen, die Straßen in kleine Bächen verwandelten, und in der Nacht lauschten die Feuerwehrleute und/oder Polizisten unseren Geschichten und Abenteuern, welche wir zwischen Deutschland und ihrer Heimat Malaysia erleben durften.

Pasta Gorillas in Malaysia
Unterstützung gab's zum Beispiel von der malaiischen Feuerwehr
Pasta Gorillas in Singapur
Weihnachten in Singapur, Austragungsort der Olympischen Jugendspiele 2010

Kurz vor Weihnachten neigte sich mit dem erreichen Singapurs Südostasien dann langsam dem Ende zu. Zwischen gigantischen Wolkenkratzern, wuseligen sowie bunten Vierteln und glitzernden Touristenattraktionen feierten wir also Weihnachten und verpackten unserer Räder in große Boxen. Wir wechselten die Kontinente und der Flieger brachte uns über den großen Teich von Asien nach Ozeanien, genauer gesagt auf die Südinsel Neuseelands und damit nach Christchurch.

Neuseeland: Traumland mit schlechten Fahrradbedingungen

Begleitet von vielen neugierigen Blicken der unzähligen Schafe und Rinder Neuseelands suchten wir unseren Weg runter bis an den südlichsten Punkt des neuseeländischen Festlands. Angekommen am „Slope Point“ lag nur noch ganz viel Wasser zwischen uns und dem Südpol. Die Power der Natur – in Form von extremem Gegenwind – ließ uns dort nur langsam vorankommen und die Beine schmerzten. Viel Wasser hatten wir allerdings auch auf dem Festland. Der Regen, gepaart mit dem dauerhaften Wind, machte es uns nicht einfach. Die Natur was jedoch eine Augenweide: Flüsse, Bäche, saftige Hügel und Wälder wie im Bilderbuch. Die berühmten Fjorde, Seen, Gletscher und Regenwaldgebiete rundeten Neuseeland optisch zu einem Traumland ab.

Allerdings hatten wir nicht mit so einer schlechten Infrastruktur für Radfahrer gerechnet. Enge Straßen, grober Asphalt und Autofahrer mit wenig Verständnis für Radreisende schockierten uns nachhaltig. Aber auch diese Erfahrungen gehören dazu und sind Teil unserer Reise, Wunschvorstellung und Realität driften eben manchmal etwas auseinander. Wie viele andere Menschen auf diesem Planeten vergessen eben auch die sonst so liebevollen Kiwis ihre gute Kinderstube, sobald sie genügend PS unter der Haube haben und geben, ohne Rücksicht auf Verluste, Vollgas.

Fahrradreise in Neuseeland
Neuseeland: Schafe, Hügel und malerische Landschaften
Julian und Nico auf dem Weg nach Japan

Anfang Februar verabschiedeten wir uns von der Südinsel und setzten mit der Fähre über auf die Nordinsel, wo uns die neuseeländische Hauptstadt Wellington begrüßte. Wettertechnisch erlebten wir ein absolutes Kontrastprogramm, die Feuchtigkeit der Südinsel wurde durch Trockenheit ersetzt. Die Natur blieb allerdings eine Augenweide: Wildromantische Strandabschnitte, gigantische Nationalparks und majestätische Berge und Vulkane begleiteten uns über die Insel. Hier und da blieben die Räder stehen und wir schnürten die Wanderschuhe für die Wandertrails des Landes. Für den Perspektivenwechsel wurden wir stets belohnt und lernten dabei Neuseeland nochmals von einer anderen Seite kennen. Jeden Abend hauen wir uns in die Büsche des Landes  (was bei den vielen Zäunen nicht immer einfach ist) und warten ausgehungert, dass die Pasta endlich „al dente“ ist. Schließlich wollen wir unserem Namen alle Ehre machen.

Zwischenfazit: Wie verändern uns zehn Monate auf dem Fahrrad?

Zehn Monate sind wir jetzt bereits unterwegs, inzwischen übernimmt der Kopf das Steuerrad immer und immer mehr. Der Körper sehnt sich hier und da nach einer längeren Pause, allerdings kommt dadurch Japan sicherlich auch nicht näher und die Berge lösen sich ebenfalls nicht in Luft auf. Der Körper schaltet inzwischen in den Autopilot und die Beine strampeln fleißig vor sich hin. Kommt mal ein Tief, zieht der Kopf uns weiter und weiter. Wir haben ein Ziel und dieses wollen wir erreichen.

Pasta Gorillas auf dem Weg nach Tokio
Tokio: Das Ziel ist in Sicht

In knapp fünf Monaten beginnen die Spiele von Tokyo 2020, die Ziellinie ist quasi schon in Sicht. Allerdings ist es uns wichtig, genügend Zeit für die vielen kleinen Begegnungen mit Menschen einzuplanen. Wir wollen nicht einfach nur durch die Länder hetzen und ein Häkchen dahinter setzen. Nein, wir wollen eintauchen in den Alltag der Menschen und in deren Kultur, wir haben uns bewusst für die Räder als Fortbewegungsmittel entschieden. Hier kommen das Herz und die Seele in einem gut verdaulichen Tempo mit und Eindrücke und Erlebnisse werden intensiver archiviert. Hier versuchen wir den richtigen Mix zu finden, um den vielen kleinen und großen Highlights entlang unserer Route gerecht zu werden und um viele abenteuerliche Geschichten und farbenfrohe Bilder auf und neben dem Rad für die Nachwelt zu sammeln und festzuhalten.

Unser Grundequipment vom Start bis heute ist nach wie vor identisch, da zählt sich Qualität einfach aus. Bis auf wenige Verschleißteile wie Bremsscheiben, Bremsbeläge, Schläuche und Mäntel haben wir auch an unseren Velotraum-Rädern noch keine größeren Reparaturen zu beanstanden. Toi toi toi!

Wie es jetzt weitergeht 

Inzwischen stehen wir knapp 120 Kilometer nördlich von Auckland im kleinen Küstendorf Mangawhai, noch haben wir knapp 400 Kilometer in Neuseeland vor uns, Ziel ist Cape Reinga. Anfang März sollten wir Neuseeland einmal komplett durchquert haben. Nach einer kurzen Auszeit auf den Fiji-Inseln geht es zurück nach Südostasien und der letzte Teil auf unserem Weg zu Olympia 2020 beginnt. Etwas Sorgen macht uns das Coronavirus in China und den angrenzenden Ländern. Vielleicht müssen wir umplanen und uns neu organisieren, aber da diese ganze Reise unter dem Motto „Without a Plan to Japan“ steht, sollte auch dies nicht das große Problem darstellen. Hauptsache am Abend köchelt leise die Pasta vor sich hin und die Plattfüße bleiben aus… Es bleibt spannend und wir freuen uns auf neue Abenteuer.

Pause bei den Pasta Gorillas
Hauptsache am Abend köchelt die Pasta leise vor sich hin...

Mit abenteuerlichen Grüßen,
Julian und Nico alias die Pasta-Gorillas

Mehr gibt es wie immer auf www.pasta-gorillas.com oder auf Instagram.

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