Neue Klettersteignorm - was bringt's?

Im Juni ist eine neue Klettersteignorm in Kraft getreten. D.h. alle Klettsteigsets, die ab diesem Zeitpunkt produziert werden, müssen mehr Kriterien erfüllen, als bisherige Modelle. Wir haben Bergführer Christof Schellhammer gefragt, was er davon hält.
Bergführer Christof Schellhammer

Christof ganz kurz: warum braucht es eine neue Norm für Klettersteigsets?

Das Klettersteiggehen hat sich stark entwickelt: Früher haben das nur die Bergsteiger gemacht, also Leute, die eh oft im Gebirge unterwegs waren. Jetzt sind immer mehr Kinder und teilweise auch weniger sportliche Leute auf den Klettersteigen unterwegs. Diese höhere Frequenz hat auch dazu geführt, dass mehr Unfälle passiert sind und dass man dadurch mehr über Unfälle am Klettersteig gelernt hat. Mit der neuen Norm werden Klettersteigsets jetzt zusätzlich mit 40 und 120 Kg Fallgewicht getestet. Bisher gab es nur ein Testgewicht von 80 Kg. Vor vielen Jahren war man der Meinung: Eine Bandschlinge wird’s schon halten, wenn ich abrutsche. Physikalisch gesehen, ist ein Sturz aber deutlich komplexer. Denn ein Klettersteig-Set muss den Sturz nicht nur halten, sondern ihn auch für den Körper verträglich gestalten. Sonst könnte man einfach ein Stahlseil zur Sicherung verwenden. Das reißt auf keinen Fall, aber die Wirbelsäule hält die Sturzenergie nicht aus. Dafür braucht es einen Falldämpfer. Bzw. Klettersteigbremsen, denn damit wird man relativ weich aufgefangen.

Wo passieren die meisten Unfälle am Klettersteig?

Eigentlich ist das Klettersteiggehen mittlerweile ziemlich ungefährlich – wenn die Ausrüstung stimmt und wenn man sie richtig einsetzt. Unfälle passieren am ehesten durch falsche Bedienung, falsches Einbinden oder falsches Einhängen der Karabiner.

Wenn ich noch ein altes Klettersteig-Set habe – muss ich das jetzt aussortieren?

Das kommt drauf an, wenn man zu einer der Randgruppen gehört, sprich entweder 40 oder 120 Kilo wiegt, dann ist ein neues Set eine sinnvolle Investition, denn es erhöht die Sicherheit. Das gleiche gilt für alle, die mit dem Sport anfangen. Wer noch ein altes Klettersteig Set zuhause hat und zwischen 60-90 Kilo wiegt, kann das auch noch gut weiter benutzen.

Bergführer mit Kunden am Klettersteig

Ihr führt mehr als 1.000 Tage im Jahr am Klettersteig, was ist euch bei einem Klettersteig-Set wichtig?

Da wir oft mit Leuten unterwegs sind, die keine alpinen Vorkenntnisse besitzen, ist es uns besonders wichtig, dass sie ihr Material einfach und intuitiv zu bedienen können. Z.B. ist es optimal, wenn man die Verschluss-Schnallen am Gurt nicht ausfädeln sondern einfach nur auf und zu ziehen muss. Dann findet man sich auch zurecht, wenn man ein halbes Jahr später selbständig eine Klettersteigtour gehen will. Zudem müssen die Karabiner intuitiv zu bedienen sein. Die dürfen nicht blockieren, weil ich sie falschrum in der Hand habe. Hinzu kommt, dass die meisten ihre Karabiner immer mit der rechten Hand einhängen, was dazu führt, dass sich die Arme der Karabiner schnell verdrehen. Das nervt ungemein, genauso wie das darauf folgende Ausdrehen. Durch einen Wirbel gibt es kein Verdrehen mehr und man kann sich mehr auf den Klettersteig konzentrieren und muss sich weniger Gedanken ums Material machen.

Wo und wann kann man den so einen neuen Gurt denn mal bei euch ausprobieren?

Bei allen Klettersteig Einsteigerkursen verwenden wir Gurte, die der neuen Norm entsprechen. Bei Führungen und Kursen für Fortgeschrittene kommen die meisten mit eigenem Material, bei dem sie die Bedienung schon verinnerlicht haben. Daher geben wir eigentlich nur bei den Einsteigerkursen Leihmaterial aus.

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