Schlafen im Schnee – Biwak Camp am TOP OF TIROL

Feb. 2018 | Stubaier Gletscher | Außentemperaturen bis -20°C | 3.200 Höhenmeter

Das Übernachten im Freien ist schon im Sommer ein Abenteuer, aber wie spannend und extrem ist dieses Naturerlebnis wohl im Winter? Bei eisigen Temperaturen um die -20 °C in einem Zelt auf einem Berggipfel zu schlafen ist keine zu unterschätzende Outdoor-Aktivität und gehört im Notfall zu den lebensrettenden Maßnahmen von Bergsteigern. Mit dem richtigen Equipment und dem Know-how von Experten kann diese Erfahrung allerdings auch für Laien wie mich zum intensivsten und unvergesslichsten Erlebnis im Winter-Bergparadies werden; und das wurde es definitiv!

Biwak Camp bei Nacht

Biwakieren kennt man am ehesten von der Bundeswehr. Hier stellt der Aufbau und Betrieb eines Zeltlagers oder eines Lagers im Freien (Biwak) einen Teil der Geländeausbildung dar. Im Biwak Camp von SportScheck lernt man als Teilnehmer ebenfalls die wichtigsten Grundregeln und Vorsichtsmaßnahmen beim Übernachten im Freien. Die Faktoren wie der Schutz vor Wind und Kälte beim Platzieren eines Zeltes, die Beschaffenheit der Kleidung und die Zubereitung von Nahrung werden thematisiert. Hier seht ihr das komplette Equipment für eine Winter-Bergtour mit Übernachtung im Freien bei Minusgraden:

Biwak ausrüstung

Man benötigt ein Winterzelt, einen geeigneten Schlafsack, eine aufblasbare Isomatte, eine Schaufel zum Bau einer Schnee-Schutzmauer um das Zelt, einen Kocher zur Zubereitung von heißem Wasser (aus geschmolzenem Schnee) für warme Speisen & Tee, eine Thermoflasche, Snacks und Outdoor-Mahlzeiten nach Wahl... Als Bekleidung auf jeden Fall gute Funktionsunterwäsche, wärmendes Untermaterial (Fleece/Daune ist besonders gut), schützendes wind- und wasserdichtes Obermaterial (z. B. Skijacke und –hose), dicke Socken, Schneeschuhe, Mütze, Handschuhe, Schal/Buff, Sonnenbrille, Sonnencreme, Lippenpflegestift und ggf. Oropax für den Fall eines schnarchenden Zeltpartners. In der Nacht empfiehlt sich lockere Kleidung im Schlafsack (keine enge Funktionswäsche!), z. B. eine Joggingshose, damit die Luft zirkulieren kann und die Körperwärme den Schlafsack erwärmen kann. Als technisches Equipment für die Erreichbarkeit und dem Festhalten von Erinnerungen ein Handy/Smartphone, Ladekabel mit Powerbank, Kamera, Uhr, Stirnlampe, Feuerzeug und Taschenmesser. In unserem Biwak-Camp wurde für die Teilnehmer alles gestellt außer die Bekleidung, Körperpflege- und Schutzprodukte, Thermoflasche und das technische Equipment (ausgenommen Stirnlampen).

Mein persönliches Outdoor-Erlebnis

Okay W O W, es fällt mir schwer die richtigen Worte für diese Nacht zu finden. Es war definitiv die verrückteste Übernachtung meines Lebens und vorab: Ja, es hat sich gelohnt! Jeder Schmerz, jeder eingefrorene Finger oder Zeh war die Aussicht auf einen gigantischen Sternenhimmel vom höchsten Punkt des Berges, das Wissen hier etwas Einzigartiges zu machen und einen traumhaften Sonnenaufgang am Morgen wert. Den Sonnenuntergang haben uns leider ein paar Schleierwolken verwehrt.

Einweisung und Aufbau des Camps

Am Vormittag erwartete uns strahlender Sonnenschein auf dem Stubaier Gletscher und wir fuhren noch eine kurze Abfahrt, bevor es zur Einweisung in das Biwak-Equipment auf die höchste Bergstation ging.

Hier lernten wir alle wichtigen Regeln und testeten im Trockenen, wie man die Zwei-Personen-Zelte aufbaut, erfuhren warum zwischen die Zelte Schneemauern gebaut werden und dass lockere Kleidung im Schlafsack absolut entscheidend für eine einigermaßen angenehme Nacht ist. Die Bergstation war während des gesamten Camps ein möglicher Rückzugsort. Das Camp wurde auf einer Fläche in unmittelbarer Nähe der Station aufgebaut und uns standen Toiletten sowie ein Lagerraum für die Rucksäcke zur Verfügung.

Aufbau biwak Camp

Am frühen Mittag wurde mit dem Aufbau der Zelte begonnen. Alle Teilnehmer bauten die Zelte zusammen auf, wechselten sich beim Schneeschaufeln für die Schneeblöcke der Mauer ab und bildeten Menschenketten zum Transport der Blöcke – Teamwork.

Aufbau Biwak Camp

Die Einteilung der Zelte erfolgte erst im Nachhinein. Für den Aufbau eines Zeltes benötigten wir ungefähr 10 Minuten und für das gesamte Camp rund 2 Std. Das Wetter spielte zum Glück mit und bis zum Nachmittag schien die Sonne bei Temperaturen um die -10 °C.

Kocher an; Essen ist fertig!

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit schmissen unsere Bergführer die mitgebrachten Kocher an und kochten heißes Wasser aus Schnee. Das gemeinsame Abendessen bestand aus Travellunch Packungen (auch vegetarisch; diverse Gerichte in Pulverform, die mit Wasser aufgefüllt wurden) und schmeckten völlig in Ordnung.

Für den Hunger zwischendurch stand eine große Snacktasche mit Schokolade, Nüssen und Weingummis zur Verfügung. Die Zeit bis zum Schlafen gehen saßen wir noch in einem großen Zelt auf Isomatten mit den Thermoflaschen zusammen und berichteten von unseren bisherigen schönen Outdoor-Erlebnissen.

Die Nacht im Zelt

Das Beziehen der Zelte für die Nacht war hart. Mein Handy zeigte hier bereits -16 Grad um 21:30 Uhr an. Wir zogen unsere Schlafklamotten an und kletterten in die kalten Schlafsäcke. Ich ließ über Nacht ein Laufshirt, ein Fleecepullover, eine Fleecejacke und eine Daunenjacke (keine Skijacke!) an und trug eine Mütze plus Kapuze auf dem Kopf, ein Buff um den Hals und Skihandschuhe, in denen ich die Hände beim Schlafen zur Faust ballte. Unter einer Jogginghose trug ich noch eine lockere Thermoleggings und Skisocken. Von einer anderen Teilnehmerin erfuhr ich am nächsten Tag, dass lockere dicke Wollsocken besser gewesen wären. Meine Füße sind nachts eingefroren – ihre Füße nicht ;-). Mein absoluter Retter war in dieser Nacht meine Thermoflasche, die ich kurz vor dem Schlafen gehen noch einmal mit heißem Wasser auffüllte und unter meine Daunenjacke an meine Brust steckte. Am nächsten Morgen war die Flasche noch immer warm.

Die Nacht war selbst ein auf und ab... Bei insgesamt 7 Stunden im Schlafsack wurde ich ca. 5 - 6 Mal wach, konnte jeweils 10 – 30 Min. nicht wieder einschlafen. Ich betete ständig, dass die Nacht schnell vorbei ist. Die Füße taten am meisten weh, aber ich bin generell ein Kandidat für kalte Füße und Hände. Nichtsdestotrotz wollte ich es schaffen, wollte nicht in den Lagerraum gehen, der uns für den Notfall zur Verfügung stand und nahm mir bei jedem Aufwachen vor, wenigstens noch eine Stunde zu schaffen. So zog ich es bis zum Morgen durch und entschied um halb 6 genügend Schlaf abbekommen zu haben. Einige andere waren auch bereits wach und ein Teil hatte sich nachts in den Lagerraum gelegt.

Manche Teilnehmer hatten auch Probleme mit der enormen Höhe des Berges, denn 3.200 Meter verursachen nicht selten Kopfschmerzen und Übelkeit. Mir ging es soweit gut und ich wechselte die Kleidung für einen der schönsten Sonnenaufgänge. Glücksgefühle und Dankbarkeit für dieses Naturspektakel machten sich nun in mir breit.

Abbau des Camps und Frühstück

Wir genossen gemeinsam diesen Moment und machten uns anschließend an den Abbau des Camps. Das komplette Equipment wurde mit der Gondel wieder nach unten befördert. Uns stand nun die erste Abfahrt auf den frisch präparierten und menschenleeren Pisten bevor. Wow, jeder der es kennt, weiß wie sich so ein Morgen auf der Piste anfühlt! Das Frühstück und somit letzte gemeinsame Essen erwartete uns in der Mittelstation und war ein toller Abschluss der letzten EXTREMEN Tage! Biwak Camp olé, Natur pur, Freude & Leid zusammen - ein definitiv sehr intensives Outdoor-Erlebnis! Noch mehr Eindrücke vom Camp gibt's hier: [Best_Wordpress_Gallery id="103" gal_title="Biwak Camp 2018"]

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