Zeltberater - So findest Du das passende Zelt

Zelte auf einem Berg im Himalaya.
Verschiedene Zelte stehen auf einer Wiese am Waldrand.

Welches Zelt passt zu mir? Die verschiedenen Zelttypen im Überblick.

Das Campen in freier Natur hat schon etwas Abenteuerliches. Für viele von uns ist es ein wieder erlebtes Ereignis aus der Kindheit, als wir zum ersten Mal das Gefühl von Freiheit erlebt haben. Heute gehört es dazu, um unsere Welt zu entdecken und zu erleben. 


Ein professionelles, hochwertiges Zelt ist dafür unabdingbar. Wenn du klare Vorstellungen hast, wie, mit wem und wohin dein Abenteuer geht, wird dir die Auswahl deines Zeltes leichter fallen, da du eine Menge Faktoren berücksichtigen musst. Alles was du wissen musst, sagen wir dir hier.

Wenn du dir ein Zelt zulegen willst, gilt es zuerst die grundlegenden Fragen zu klären: Was hast du damit vor? Und wie viele Leute sollen drin schlafen können? Also wird es eine Expedition in großen Höhen, wo Sturmstabilität wichtig ist? Oder eine Trekkingreise auf der du das Gepäck die ganze Zeit trägst?

In diesem Fall lohnt es sich, aufs Gewicht zu achten. Wenn es dagegen mit der Familie an den See bzw. auf den Campingplatz geht, ist vor allem das Raumangebot wichtig, während das Gewicht komplett vernachlässigt werden kann. Apropos Raumangebot: Auch hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Für zwei Leute mit großem Gepäck kann ein Dreipersonenzelt durchaus sinnvoll sein. So bleiben die Rucksäcke bei Regen über Nacht trocken.

Sobald das geklärt ist, kannst du dir Gedanken um die Konstruktion und das Material machen. Unabhängig von der Form setzen meisten Zelthersteller auf doppelwandige Konstruktionen. Das heißt ein wasserdichtes Außenzelt wird mit einem atmungsaktiven Innenzelt kombiniert. Der Vorteil liegt dabei in der guten Belüftung des Innenraums. Kondenswasser schlägt sich zudem am Außenzelt nieder, wodurch das Innenzelt trocken bleibt. Zudem isoliert die Luftschicht zwischen Innen- und Außenzelt bei doppelwandigen Zelten ein wenig.

Kuppelzelte

Wer heute von einem Trekkingzelt spricht, hat meistens das Bild eines Kuppelzelts im Kopf. Dabei kreuzen sich mehrere Gestängebögen, was die Windstabilität erhöht. Eine spezielle Form der Kuppelzelte sind Geodäten. Bei diesen Zelten liegend die Gestängebögen so, dass sie sich mehrfach überkreuzen, was die Stabilität deutlich erhöht. Geodäten kommen aufgrund dieser Eigenschaften vor allem auf Expeditionen und im rauen Klima zum Einsatz.

Normale Kuppelzelte sind auch auf dem Campingplatz eine gute Wahl. Ein weiterer Vorteil der Kuppelzelte besteht darin, dass es sich dabei um eine selbsttragende Konstruktion handelt. Das heißt einmal aufgebaut, kannst du das Zelt umhertragen bis du den optimalen Platz gefunden hast. Mehrere Abspannmöglichkeiten erhöhen die Sturmstabilität.

Tunnelzelte

Tunnelzelte dagegen werden auf dem Boden abgespannt, während mehrere hintereinander liegende Gestängebögen für den nötigen Platz sorgen. Im Gegensatz zum Kuppelzelt sind die Tunnelzelte oft leichter, da die Konstruktion mit weniger Gestänge und weniger Gestängekanälen auskommt.

Auch das Raumangebot ist bei gleicher Bodenfläche größer. Allerdings muss dafür der Untergrund genügend Abspannmöglichkeiten bieten und auch die Sturmstabilität ist nicht ganz so gut wie bei Kuppelkonstruktionen. Firstdachzelte oder Dackelgaragen wie sie früher genannt wurden, waren lange der Innbegriff der Zeltkonstruktion.

Mit Aufkommen der Kuppelzelte wurden sie fast verdrängt. Mittlerweile findet die Konstruktion in der Ultraleichtbewegung wieder Anhänger. Da die geraden Zeltstangen hier durch Trekkingstöcke ersetzt werden können, muss nur noch der Zeltstoff getragen werden. Sehr nah verwandt sind die Pyramidenzelte, die nur über eine Firststange verfügen.

Popup Zelte: Campen für Einsteiger

Popupzelte erfreuen sich vor allem auf Festivals und bei Gelegenheitscampern großer Beliebtheit. Ihr Vorteil: Der Aufbau geschieht von selbst. Einfach das Zelt aus der Verpackung nehmen, in die Luft werfen, abspannen fertig. Für windige Gegenden ist diese Art des Aufbaus natürlich nicht geeignet.

Großraum- bzw. Familienzelte

Konstruktion: Tunnel oder Kuppelzelt bzw. die Kombination aus beidem. Vorteile: Beste Raumausnutzung durch großflächige Apsiden/Aufenthaltsbereiche, Stehhöhe und getrennte Schlafkabinen. Farblich gekennzeichnete Gestängeführungen am Außenzelt. Innenzelt/Schlafkabinen werden in das selbsttragende Außenzelt eingehängt.

Trekkingzelte

Ideal für Rucksacktourismus jeder Art. Die kompakten Fliegengewichte bieten ein überragendes Raum-Packmaß-Verhältnis. Mittels Gummizug verbundene Gestänge machen Auf- und Abbau zum Kinderspiel.

Konstruktion: Die Form (Kuppelzelt, Tunnelzelt) und die Konstruktion (Gestänge außen- oder innenliegend; einwandig oder doppelwandig) haben entscheidenden Einfluss auf den Anwendungsbereich.

 

Doppelwändige Zelte

Die gängigste Konstruktion. Ein wasserdichtes Außenzelt kombiniert mit einem atmungsaktiven Innenzelt.

Vorteil: In Verbindung mit Belüftungsöffnungen am Außenzelt gute Belüftung. Kondensat schlägt sich nur am Außenzelt nieder, das Innenzelt bleibt trocken. Darüber hinaus isoliert diese Bauweise zusätzlich durch die Luftschicht zwischen Innen- und Außenzelt.

Ein Paar zeltet an einem Flussufer und im Hintergrund sind Berge

Woran erkenne ich ein hochwertiges Zelt?

Hochwertige Zelte zeichnen sich durch ein geringes Gewicht, abriebfestes Material und eine saubere Verarbeitung aus. Besonderes Augenmerk sollte auf die Nähte gelegt werden, denn sie sind die potentiellen Schwachstellen bei jedem Zelt. 


Markenhersteller verwenden in der Regel eine Doppelsteppstich-Klappnaht. Dabei werden die Säume zweier Stoffstücke so ineinander gefaltet, dass vier Lagen Stoff übereinander liegen. Dann werden diese vier Stoffschichten mit einer Naht verbunden und anschließend per Nahtband versiegelt.

Reißverschlüsse sind ein weiterer Knackpunkt bei vielen Zelten, da sie oft hohen Belastungen ausgesetzt sind. Die Verwendung von Markenreißverschlüssen treibt den Preis nach oben, lohnt sich aber auf lange Sicht, da sie besser laufen und zuverlässiger funktionieren.

Der Belüftung kommt ebenfalls eine große Bedeutung zu. Bei zwei Personen entsteht im Laufe der Nacht allein über die Atemluft eine große Menge Feuchtigkeit, die das Zelt verlassen muss anstatt sich auf Schlafsäcke und Ausrüstung zu legen. Hochwertige Zelte verfügen über funktionelle Belüftungsöffnungen, die zuverlässig die Feuchtigkeit entweichen lassen.

Wer sich nicht für ein Popup Zelt entscheidet, ist froh, über eine Farbcodierung an den Gestängekanälen, die anzeigt, welcher Gestängebogen in welchen Kanal gehört. Je nach Zelttyp kommen dabei unterschiedliche Gestängematerialien zum Einsatz: Glasfaserrohre sind preiswert und stabil, aber etwas schwerer als Alu. Aluminiumrohre sind stabiler und langlebiger als Glasfaser, aber auch etwas teurer.

Ein Paar zeltet an einem Flussufer und frühstückt gerade.

Unser Kaufberater für Zelte

1. Die Kaufkriterien eines Zeltes

Die Auswahl eines Zeltes hängt von den individuellen Ansprüchen ab. Eines für alles gibt es nicht. Der überwiegende Einsatzzweck und der Preis bestimmen im Wesentlichen die Zeltkonstruktion.

Einsatzzweck & wichtige Anforderungen des Zeltes


  • Extremeinsatz: Robustheit, Stabilität
  • Trekking: Gewicht, Konstruktion
  • Einsatz im Hochgebirge: UV-Beständigkeit, Material
  • Großraum/Familienzelte: Aufenthalts-, Kochmöglichkeit für Schlechtwetterperioden, Stehhöhe

Grundlegende Auswahlkriterien des Zeltes


  • Raumangebot: Wie vielen Personen soll das Zelt Platz bieten?
  • Wochenendtouren oder länger?
  • Zelttransport: Rücken, Fahrrad/Motorrad, Boot, Auto etc. Dementsprechend auf Gewicht und Packmaß achten
  • Reiseziel: Warme oder kalte Gegenden, nass oder trocken, windig, stürmisch (Konstruktion)
Ein Sonnenuntergang im Gebirge aus einem Zelt heraus fotografiert.

2. Die Auswahl des passenden Zelttyps und dessen Vor- und Nachteile

Die einzelnen Zeltformen haben wir am Anfang dieses Zeltberaters bereits erläutert. Diese unterscheiden sich vor allem im Verhältnis Bodenfläche/Nutzfläche. Die nutzbare Fläche wird in 40 cm Höhe gemessen. Daneben unterscheiden sie sich unter anderem auch in der Zahl der zum Aufstellen benötigten Heringe.

  • Kuppelzelt:
    Freistehend, schneller Aufbau, windstabil, benötig wenig Abspannung.

  • Tunnelzelt:
    Nicht freistehend; muss in Längsrichtung abgespannt werden; optimale Raumnutzung wegen der fast senkrechten Seitenwände; Aufbau ist aufwändiger als beim Kuppelzelt; zusätzliche Gestänge verbessern die (Wind-)Stabilität.

  • Spezialformen:
    Neben den o.g. Zelttypen gibt es noch besondere Formen für spezielle Einsatzzwecke, wie z.B. Einbogen-Zelte (besonders leicht), Pyramidenzelte (große Grundfläche) oder Mischformen, sog. Hybrid-Zelte.
Unterschiedliche Zelttypen auf einer Grünfläche dicht beieinander.

3. Material des Außenzeltes

Neben der Form und Konstruktion sind vor allem auch die verwendeten Materialien und die Ausstattungsdetails eines Zeltes wichtige Auswahlkriterien.

  • Baumwolle (unbeschichtet):
    Wird nur noch selten verwendet. Baumwolle ist atmungsaktiv und sorgt für ein angenehmes Klima. Nachteile: Baumwolle ist schwerer und pflegebedürftiger als Kunstfasern, dehnt sich bei Nässe, trocknet langsam und kann verrotten (bzw. schimmeln).

  • Baumwollmischgewebe, PU-beschichtet:
    Verbindet die Vorteile der Baumwolle mit denen synthetischer Stoffe. Nachteil: relativ schwer und teuer.

  • Nylon (Polyamid):
    Leichtes synthetisches Gewebe mit hoher Reiß- und Scheuerfestigkeit. Im Vergleich zu Polyester (s.u.) dehnt sich Nylon bei Nässe aus (Zelt muss nachgespannt werden) und ist weniger UV-resistent. Allerdings ist Nylon etwas leichter als vergleichbare Polyesterqualitäten.

  • Polyester:
    Leichtes synthetisches Gewebe mit hoher Reiß- und Scheuerfestigkeit, zudem UV-beständig und dehnt sich bei Nässe nicht aus. Ripstop-Varianten mit regelmäßig eingearbeiteten stärkeren Kette und Schussfäden verbessern die Reiß- und Weiterreißfestigkeit.

  • Synthetikfasern:
    Werden in verschiedenen Qualitäten und Varianten hergestellt. Die Stoffqualität wird bestimmt durch die Fadenstärke in „Denier“ oder „tex“ (1 Denier : 1 Gramm pro 9000 m, tex: 1 Gramm pro 1000 m ) und die Anzahl der verwobenen Fäden „T“ (Threadcount: Summe der verwobenen Fäden in Kette und Schussrichtung pro Quadrat-Inch). Ripstop-Varianten mit regelmäßig eingearbeiteten stärkeren Kette und Schussfäden verbessern die Reiß- und Weiterreißfestigkeit.
Zelte aus unterschiedlichen Materialien in der freien Natur.

Beispiel:

  • Ein 70D/190T Material ist aus Fäden mit einem Fadengewicht von 70D (Denier) gewebt, wobei die Summe der in Kette und Schussrichtung verwobenen Fäden bei ca. 190 Stück pro Quadrat Inch (1 Inch = 2,54 cm) liegt.
  • Je fester (dicker) der verwobene Faden ist bzw. je mehr Fäden insgesamt verwoben werden, desto reißfester und stabiler, aber auch schwerer (Flächengewicht g/m2) ist das Material.
  • 70D/190T Polyester ist ein bewährter Außenzeltstoff für Allround-Zelte.
  • Bei Leichtzelten werden Fäden mit einem niedrigeren Fadengewicht und mehr Fäden/Quadrat-Inch verwendet. z.B. 40D/238T.
  • Bei Zeltböden wird eine verstärkte Variante des Außenzeltstoffs eingesetzt: 70D/210T.
Ein Mann liegt im Schlafsack vor einem geöffneten Zelt.

4. Das Material des Innenzelts

Innenzelt-Materialien sind unbeschichtet, damit Feuchtigkeit entweichen kann. Meist werden leichte, atmungsaktive Gewebe eingesetzt wie z.B. unbeschichtetes Nylon- oder Polyestergewebe, Baumwolle/Polyester (TC = Mix aus 35% Baumwolle + 65% Polyester)
 

  • T/C:
    Vorteil: angenehmes Innenzeltklima.
    Nachteil: etwas schwerer und trocknet durch den Baumwollanteil langsamer als synthetische Stoffe. Wenn das Zelt feucht verpackt und nicht gründlich getrocknet wird besteht Verrottungsgefahr.

  • Polyester oder Nylon:
    Es gibt auch von Polyester Ripstop-Varianten mit regelmäßig eingearbeiteten stärkeren Kette und Schussfäden zur Erhöhung der Reiß- und Weiterreißfestigkeit.

  • Moskitonetz:
    Innenzelte aus reinem Moskitonetz sind leicht und luftdurchlässig, aber eher für warme Gebiete geeignet, da auch Wärme sehr schnell entweicht.

 
Damit Innenzelt und Außenzelt bezüglich Luftaustausch und Feuchtigkeit gut zusammenspielen, muss alles richtig aufgebaut und straff abgespannt sein.

5. Wasserdichtigkeit & Wassersäule des Zeltes

Zum Messen der Wasserdichtigkeit wird die Wassersäule verwendet. Sie gibt an, wie viel Millimeter Wasser Druck auf das Gewebe ausüben können bevor sich die ersten Tropfen durch den Stoff drücken. Beim Materialtest wird Stoff unter einen Messzylinder gespannt. Der Zylinder wird mit Wasser gefüllt. Der Grenzwert, bei dem das Wasser beginnt, sich tröpfchenweise durch das Material zu drücken, bezeichnet die Wassersäule. Ab einer Wassersäule von 1.500 mm gilt ein Zeltstoff nach DIN-Norm als wasserdicht. In der Praxis lohnt es sich beim Außenzelt nach etwas höheren Werten Ausschau zu halten.

Der Zeltboden dagegen sollte deutlich höhere Werte aufweisen. Denn hier drückt das Körpergewicht gegen den nassen Untergrund. Damit hier nichts durch kommt, sollte die Wassersäule für den Zeltboden bei mindestens 3.000 mm liegen. Eine Zeltunterlage schützt den Zeltboden vor spitzen Steinen und schützt ebenfalls vor der Durchfeuchtung des Innenraums.

Dabei gilt wie überall: Zeltfeatures dem Einsatzbereich anpassen. Wer ein Wochenende auf der Bauernhofwiese verbringt, braucht weniger belastbares Material als der Expeditionsbergsteiger im Hochgebirge.

6. Beschichtungen des Zeltes

Mit Ausnahme von Baumwolle (bei Nässe quellen die Fäden auf, die Baumwolle verdichtet sich und die Zwischenräume im Gewebe schließen sich) werden Stoffe erst durch eine zusätzliche Beschichtung wasserdicht, verlieren dabei aber die Atmungsaktivität.

 

  • Acryl:
    Vorteil: preisgünstig.
    Nachteil: der Stoff wird laut und knistert, geringe Elastizität/Flexibilität. Die Beschichtung kann sich vom Gewebe lösen und ist deshalb nicht sehr haltbar. Nur relativ niedrige Wassersäulen. Wird meist für sehr billige Zelte verwendet.

  • Silber:
    Eine Acryl- oder PU-Beschichtung der silberfarbene Pigmente beigemischt werden. Angeblich bessere Wärmereflexion kann nicht bestätigt werden. Silber-beschichtete Zelte sind in der Regel innen dunkler.

  • Polyurethan (PU):
    PU ist besonders haltbar und kältebeständig. Die PU-Masse wird als dünne Schicht auf den Stoff aufgetragen. Je nach Wassersäule variiert die Dicke der PU-Schicht (gemessen in g/m2), bzw. wird die PU-Beschichtung sogar in mehreren Schichten aufgetragen. So lassen sich Wassersäulen zwischen 800 mm und 10.000 mm realisieren. Mit entsprechenden PU-basierten Nahtdichtungsbändern können PU-beschichtete Zelte komplett nahtversiegelt werden und sind 100% wasserdicht.

  • Silikon:
    Im Gegensatz zu anderen Beschichtungen erhöht das Silikonisieren die Reissfestigkeit und den UV-Schutz des Gewebes und wird daher insbesondere bei Zelten aus sehr dünnen, leichten Hochleistungsstoffen eingesetzt. Silikon-beschichtete Zeltstoffe können in der Regel konstruktionsbedingt nicht mit Nahtdichtungsbändern abgeklebt werden. Die Nähte müssen mit Nahtdichter behandelt werden.

7. Der Zeltboden

In Punkto Strapazierfähigkeit und Wasserdichtigkeit werden an den Zeltboden höhere Anforderung als an das Außenzelt gestellt. Da der Boden wesentlich höheren mechanischen Belastungen ausgesetzt ist. Alleine das Knien im Innenzelt erzeugt hohen punktuellen Druck. Im Übrigen sollte der Zeltboden an den Seiten mindestens 10cm hochgezogen sein.
 

Verwendete Materialien:

  • PE (Polyethylen):
    Vorteile: extrem widerstandsfähig, reißfest und wasserdicht, sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. 
    Nachteil: relativ hohes Gewicht und Packmaß.

  • Polyester/Nylon: 
    Vorteil: Leicht, kleines Packmaß. 
    Nachteil: nicht ganz so robust wie PE.

 

Zeltunterlage:

Eine Zeltbodenunterlage schützt den Zeltboden vor Schlamm, spitzen Steinen, Zweigen, Dornen, Wassereinbruch usw. Bei entsprechender Größe bleibt auch das Gepäck in den Apsiden trocken.
 

Verarbeitung:

Nähte sind potenzielle Schwachpunkte. Bei qualitativ hochwertigen Zelten hat sich die Doppelsteppstich-Kappnaht durchgesetzt. Beide Säume werden ineinander verhakt und durch zwei parallele Nähte verbunden. Die Naht läuft durch 4 Gewebeschichten. Die Nähte werden zusätzlich mit einem Nahtband versiegelt. Innenzelt-Aufhängepunkte werden speziell abgedichtet (Flap Tape-System). Alle Stresspunkte werden entweder durch Riegelnähte oder durch einen Rückstich zusätzlich gesichert.
 

Kondensation:

Kondenswasserbildung lässt sich durch ausreichende Belüftung reduzieren. Auch unter der Liegematte kann Feuchtigkeit kondensieren (kein Indiz für einen undichten Zeltboden!).
 

Gestänge:

Je nach Zelttyp und Preislage werden unterschiedliche Materialien verwendet.

  • Glasfibergestänge:
    Vorteil: preiswert und stabil.
    Nachteil: schwerer als Alu. Die Segmente sind mit Gummizügen verbunden. 

  • Alugestänge: 
    Vorteil: langlebig und stabil.
    Nachteil: teurer als Glasfiber. Die Segmente sind mit Gummizügen verbunden.
    Tipp: Um die Spannung des Gummizuges so gering wie möglich zu halten, sollten die Segmente in der Mitte beginnend, parallel geklappt werden.
Ein Rucksack steht auf einer Wiese. Im Hintergrund ist ein Bergpanorama zu sehen.

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8. Auf- und Abbau des Zeltes

Aufbau-Variante 1:

Erst Innenzelt, dann Außenzelt. Vorteil: einfach, Innenzelt kann auch solo als Moskitoschutz verwendet werden und hat beim Abbau mehr Zeit zum Trocknen (s. Kondensfeuchtigkeit). Nachteil: Aufbau bei Regen problematisch, da das Innenzelt feucht wird. Daher ideal für warme und trockene Gegenden.
 

Aufbau-Variante 2:

Außenzelt aufbauen, Innenzelt einhängen oder gleichzeitiger Aufbau von Außen- und eingehängtem Innenzelt.
 

Abbau:

So wenig Falten, wie möglich (Knickbelastung). Besser: Rollen! Innenzelt: nass auf nass, schmutzig auf schmutzig falten (Zeltboden).

Tipp:

Das Auf- und Abbauen sollte vorab geübt werden, damit das Rucksackhotel auf Tour auch unter widrigen Bedingungen oder bei Dunkelheit schnell auf-/abgebaut werden kann. Zudem können zu diesem Zeitpunkt fehlende Heringe bzw. Abspannleinen noch ergänzt werden.

Ein Mann baut ein rotes Zelt auf. Er verankert gerade die Heringe im steinigen Boden.

9. Zeltpflege und Lagerung

Der wichtigste Grundsatz, um sein Zelt lange zu behalten lautet: Niemals nass lagern. Wenn du es nicht schaffst, dein Zelt in der Früh trocken zu verpacken, ist das in der Regel kein großes Problem, da es am selben Abend wieder aufgebaut wird und ablüften kann. 

Nach der Tour das Zelt gut durchtrocknen. Schäden VOR dem Einlagern beseitigen. Das Zelt nicht in der Waschmaschine waschen. Schmutz mit feuchtem Lappen oder Schwamm entfernen. Kein Reinigungsmittel, Waschmittel, Fleckenwasser o.ä. verwenden. Das Zelt sollte möglichst nicht im Packsack, sondern locker zusammengelegt, an einem nicht zu heißen und luftigen Ort, gelagert werden.

Im Keller oder Schrank sollte es ausschließlich trocken und sauber eingelagert werden. Schmutz lässt sich gut mit einem feuchten Lappen entfernen. Dabei besonders auf kleine Steinchen achten, die den Stoff im ungünstigsten Fall auch durchscheuern können. Die Waschmaschine ist dagegen kein guter Ort für Zelte, da hier auch die Beschichtung ausgewaschen wird.

10. Fazit: Das braucht Dein neues Zelt

  • solide verarbeitet, abgeklebt Nähte
  • stabiles Gestänge
  • ausreichende Liegelänge bzw. Sitzhöhe
  • einwandfreie Funktion der Reißverschlüsse
  • wenig Bodennähte
  • wannenförmiger, hochgezogener Innenzeltboden
  • ausreichend Abspannmöglichkeiten (Sturmabspannungen)
  • genügend Stauraum in den Apsiden
  • Lichtverhältnisse im Innenzelt
  • regensichere Eingänge
  • sinnvoll angebrachte, funktionale Belüftungsklappen
Eine Frau steht vor einem Zelt und packt ihre Sachen während im Hintergrund ein SUV steht.